Gratis Workshop
 
     
   
  



Über die Mandoline

- Typen von Mandolinen
- Die Geschichte der Mandoline
- Die Bluegrass Mandoline


In der Instrumentenlehre gilt die Mandoline als Harmonieinstrument, da man auf ihr nicht nur Melodien und Läufe, sondern auch zugleich Akkorde hervorbringen kann. Die Mandoline gehört zur Gattung der Saiteninstrumente (vgl. Gitarre, Harfe, Violine, Klavier) und ist eine Unterart der Laute. Anders als bei der Laute werden die Saiten nicht mit den Fingern, sondern mit einem Plektrum angerissen.

Die Mandoline ist zwar eine weniger geläufige Instrumentengattung, besitzt jedoch eine lange Tradition und weist eine Vielzahl unterschiedlicher Typen auf. Sie variieren nicht nur nach ihrer Bauweise, sondern auch entsprechend ihrer Besaitung.

Man unterscheidet hier wieder zwei grundverschiedene Hauptbauarten: Zum einen das Modell der Neapolitanische Mandoline als Nachfolgerin der Barock Mandoline, die mit ihrem Holzspänchen-Rundboden einen birnenförmigen Korpus hat und noch stark an die Bauweise von Lauten erinnert. Sie wird hauptsächlich für klassische Musik und italienische Folklore benutzt. Zum anderen das Modell der Bluegrass Mandoline, die Ihrer Bauweise nach mit ihren Zargen, F-Löchern und geschnitztem Flachkorpus eher einer Violine ähnelt. Sie findet hauptsächlich im Bluegrass, Jazz und der Popmusik Verwendung. Daneben gibt es noch eine Reihe weniger gebräuchlicher Bauweisen (z.B. Irische Flachmandoline, Deutsche Mandoline, Portugiesische Mandoline, E-Mandoline und Resonator-Mandoline).

Barock
Mandoline
Neapolitanische Mandoline Deutsche Flachmandoline Bluegrass
Mandoline

Überwiegend ist die Mandoline vierchörig, d.h. sie besitzt vier Saitenpaare (Chöre); die Saiten sind in Quinten gestimmt. Das übliche Instrument ist in Sopranstimmung, die Saiten sind dabei genau wie die einer Violine gestimmt.

Zur Familie der vierchörigen Mandolinen gehören aber auch einige Instrumente in abweichender Stimmung. Am häufigsten ist hier die Mandola, die eine Oktave tiefer gestimmt ist als eine Mandoline. Daneben gibt es noch die Piccolo-Mandoline und Alt-Mandoline, das Mandoloncello und den Tremolobass. Mit diesen Instrumenten bildet die vierchörige Mandoline eine Familie vergleichbar der Violinfamilie. Sie stellt oftmals die Instrumentierung von Mandolinen Zupforchestern dar. Nicht alle sog. vierchörigen Mandolinen besitzen auch wirklich vier Saitenpaare – es gibt sie auch mit vier Chören à drei Saiten, wie die Mandriola, oder mit vier Einzelsaiten, wie z.B. die Cremonische Mandoline.

Neben den vierchörigen gibt es auch fünf- und sechschörige Mandolinen, wie die sogenannte Barock Mandoline. Diese ist vergleichbar mit einer Lauten in Terzen und Quarten gestimmt und wird statt mit einem Plektrum mit Federkiel angeschlagen. Andere mehrchörige Mandolinentypen des 18. und 19.Jahrhunderts wie z.B. die Florentinische und Mailändische Mandoline oder die Mandolone sind ebenfalls fünf-, sechs- oder mehrchörig.

Die frühesten Quellen, in denen Mandolinen erwähnt werden, stammen aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhundert. In der Epoche des Barock haben Komponisten wie Antonio Vivaldi, Domenico Scarlatti und Johann Adolf Hasse Kompositionen für Mandoline geschrieben.

Für die ursprünglich aus Italien stammende Mandoline, wurde Paris um 1750 zum wichtigstem Zentrum und um 1800 dann Wien. Bedeutende Komponisten, wie z.B. Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Johann Nepomuk Hummel und Niccolò Paganini widmeten sich der Mandoline. Recht bekannt ist das Mandolinensolo in der Mozartoper „ Don Giovanni“.

Die bekannteste Spieltechnik der Mandoline, das Tremolo, wurde aber erst später in der Romantik ab Mitte des 19. Jahrhunderts salonfähig. Ein bedeutsamer Komponist dieser Epoche war Raffaele Calace. In diese Zeit fallen auch die ersten Gründungen von Zupforchestern.
Die Mandoline erfreute sich im Laufe des 20. Jahrhunderts in der zeitgenössischen Musik immer größerer Beliebtheit. Herausragend war hier der deutsche Komponist für Mandoline und

Zupforchester des 20. Jahrhunderts Konrad Wölki; ihm verdankt man die musikwissenschaftliche Anerkennung der Mandoline und des Zupforchesters. Heute findet man die Mandoline in der orchestralen Musik, in den verschiedensten Kammermusikensembles und als solistisches Instrument. Den Lehrstuhl für Mandoline in Deutschland bekleidet Prof. Marga Wilden-Hüsgen an der Hochschule für Musik Köln, Standort Wuppertal.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Mandoline in deutschen Wandervogelbewegung sicher auch aufgrund ihrer kleinen Größe beliebt. In den USA prägte in den 30er und 40er Jahren der Mandolinenspieler Bill Monroe einen neuen Musikstil, genannt Bluegrass. Das Instrument fand dann bei dem jungen Publikum des Folk Revival der 70er Jahre wieder besondere Beachtung. Der Mandolinenspieler Erich Schmeckenbecher zum Beispiel prägte mit dem Instrument den Klang des Duos Zupfgeigenhansel.

Heute ist die Mandoline nicht nur in der Klassischen Musik etabliert, sondern kommt vielfach auch in der Populärmusik und im Jazz zum Einsatz. Bekannte Beispiele für die Verwendung in der Populärmusik sind u.a. Losing My Religion von R.E.M., The Battle of Evermore von Led Zeppelin oder diverse Songs der Gruppe Jethro Tull, darunter A Christmas Song und Fat Man. Mike Oldfield setzt sie bei seinen berühmten Tubular Bells ein, wo sie am Ende der ersten Hälfte mit anderen Instrumenten solistisch vorgestellt wird.

Spricht man in den USA von einer Mandoline, so ist die Art der Mandoline gemeint, die in Europa Bluegrass Mandoline genannt wird. Dabei ist diese Bezeichnung historisch nicht ganz korrekt – denn der namensgebende Musikstil Bluegrass ist jünger als das Instrument selber.

Das Instrument gewann an Popularität, als ab etwa 1935 Bill Monroe (1911–1996) einen neuen Stil der Country Musik entwickelte, in dem die Mandoline einen zentralen Platz einnahm: den Bluegrass, der dem Instrument in Europa seinen Namen gab. Der große Durchbruch dieses Stil war 1945, und seitdem hat die Bluegrass Mandoline ihren Platz nicht nur in diesem Genre. Überall wo im Jazz, Rock oder Pop eine Mandoline Verwendung findet, handelt es sich in der Regel um eine Bluegrass Mandoline. In den USA wird heute auf Bluegrass Mandolinen auch klassisch musiziert.

Wie die Neapolitanische Mandoline hat die Bluegrass Mandoline vier Doppelsaiten mit der Stimmung gg - d'd' - a'a' - e''e'', ein Griffbrett mit Bünden und zum Anschlagen der Saiten wird ein Plektrum verwendet. Bluegrass Mandolinen werden zum Melodiespiel und rhythmischen Begleitung verwendet. Das Melodiespiel umfasst das Einzeltonspiel (Single Note), Doppeltonspiel (Double Note), ein Akkordspiel im Picking-Stil (Crosspicking) und das melodische Tremolo. Bei der rhythmischen Begleitung (Back Up) ist, neben der offenen Akkordbegleitung, der perkussive Akkordanschlag (Chop) besonders markant.

Maßgeblich für die Entwicklung war Orville Gibson (1856–1918), der etwa in den 1890er Jahren, als die Mandoline in den USA außerordentlich beliebt war, begann, Flachmandolinen zu bauen. Als Vorbild dienten ihm hier der Geigenbau und die Deutsche Mandoline. Er entwickelte zwei Grundtypen: Den A-Typ (symmetrische Tropfenform mit Schallloch) und den F-Typ (asymmetrische ausgebuchtete Form, zunächst mit Schalloch, später oft mit F-Löchern), auf die, wenn auch mit zahlreichen Variationen, alle Bluegrass Mandolinen zurückgehen. Etwa ab 1910 hatte die Bluegrass Mandoline die neapolitanische Mandoline in den USA weitgehend verdrängt, sie wurde hauptsächlich in Mandolinenorchestern, Vaudeville-Shows und Ragtime-Bands gespielt. In den 20er-Jahren entwickelten insbesondere Lloyd Loar und Guy Hart die Bluegrass Mandoline zu einem bis heute unerreichten Standard weiter.

vgl.Quelle: www.mandoline.de
Fotos und Texte nach freundlicher Genehmigung durch
Utz Grimminger & Thekla Mattischeck